31.01.2019

Sydney, die Eisenbahn und eine Reise nach Melbourne

Bomaderry, graues Wetter für den Zug Richtung Sydney

Ich bin schon mit der Bahn nach Sydney gereist, von Bomaderry, der Station, die am nächsten bei meinen Freunden liegt. Bomaderry wird ungefähr im Stundentakt mit Dieseltriebwagen vom 34 km entfernten Kiama aus bedient. Von Kiama geht es mit elektrischen Doppelstockzügen des Vorortsverkehrs von Sydney in gut 2 ½ Stunden bis ins Zentrum von Sydney. Bomaderry ist im Verkehrsverbund von Sydney. Man hat eine Karte mit einem Guthaben, die man bei der Abreise einliest und nach der Ankunft wieder ausliest. Das Ganze nennt sich Tap on/Tap off. Die sind hier deutlich weiter als der ZVV.

Im Dieseltriebwagen Bomaderry-Kiama: Sitzteiler 2+3, etwas eng, wenn man an die vielen Übergewichtigen denkt, aber genügend Beinfreiheit und in der Fahrrichtung umstellbare Sitze, übrigens in allen Zügen um Sydney.

Ich habe zwei Mal in Sydney übernachtet. Am ersten Tag war ich in der Stadt und habe u.a. die erste Light Railway-Linie – eine zweite ist im Bau – ausprobiert. Sie führt vom Hauptbahnhof Sydney Central, einfach Central genannt, zuerst als Tram in den Strassen und dann auf einer ehemaligen Güterlinie als Hafenzufahrt in einem grossen Bogen durch die westlichen Quartiere. Betrieben wird die Linie mit modernen Niederflur-Zweirichtungsfahrzeugen Urbos 3s von CAF.

Sydney ist ein Mischung von schönen, alten Kolonialbauten und Glas-Wolkenkratzern. Das Opernhaus kennt jeder, das lass ich weg.

ANZAC-Denkmal für die Soldaten, die in den Kriegen, an denen australische und neuseeländische Truppen beteiligt waren, gefallen waren, im Hintergrund ein urbanisierender Wolkenkratzer, Sydney.

Die Trams der Sydney Light Railways fahren in die Vorhalle des Bahnhofes Sydney Central.

Ein Light Rail-Triebwagen Urbos 3s von CAF in der Haltestelle Central.

Am zweiten Tag besuchte ich das NSW Rail Museum in Thirlmere NSW, eines von mehreren Eisenbahnmuseen Australiens, dieses hier zuständig für New South Wales. Thirlmere liegt aber ziemlich weit ausserhalb von Sydney, ca. 75 km Bahnfahrt mit einmal Umsteigen bis Picton und einer anschliessenden Busfahrt. Ich bin in Museum, einer Station am City Circle eingestiegen. Metro-Architektur und eine Bahnhofvorständin, die die Züge mit einer weissen Flagge abfertigt, wirken irgendwie anachronistisch. Eine Metro ist übrigens auch im Bau.

Station Museum des City Circle. Der Zug Richtung Süden wird von der Bahnhofvorständin abgefertigt. Diese Vorgehen ist übrigens nur hier der Fall.

Das Museum liegt im Gelände des stillgelegten Bahnhof von Thirlmere, von wo aus auch Museumszüge verkehren. Das Museum hat eine sehr grosse Sammlung an Eisenbahnfahrzeugen aller Traktionsarten einschliesslich Personen- und Güterwagen. Lange nicht alle Exponate sind renoviert. Viele sind unter Dach, aber einige auch im Freigelände. Das Museumsgebäude ist ein moderner Neubau. Ebenfalls neu ist ein Ringlokschuppen, in dem Renovations- und Unterhaltsarbeiten durchgeführt werden. Davor ist eine der wenigen Drehschieben aufgebaut, auf denen die riesigen 33 m langen Beyer-Garratt gedreht werden konnten. Das Museum ist unbedingt einen Besuch wert, obwohl es etwas weit weg liegt.

Auch eine Stellwerk fehlt nicht: NSW Rail Museum Thirlmere.

NSWGR 4306, eine Co’Co‘ 1956 gebaut von A. Goninan & Co, Broadmeadow. Das Design ist eine Ergebnis einer ALCO-GE-Kooperation. NSW Rail Museum Thirlmere.

NSWGR D5910, eine 1’D1’h2 1953 von Baldwin gebaut, NSW Raiil Museum Thirlmere.

Ein Tankwagen, speziell für Kurt N., NSW Rail Museum Thirlmere

NSWGR DP104 The Silver City Comet, ein Vertreter der Streamlined Era, harrt noch seiner Aufarbeitung, NSW Raiil Museum Thirlmere.

Schaftransportwagen, nicht renoviert, NSW Rail Museum Thirlmere.

Die Beyer-Garatt-taugliche Drehscheibe im NSW Rail Museum Thirlmere, hinten der Rundschuppen.

Wohl eines der Highlights im NSW Rail Museum Thirlmere: Die  NSWGR  AD6040 (2’D2′)(2’D2′) h4 Beyer-Garratt, eine von vier erhaltenen der ursprünglichen Serie von 42.

Was ich nicht wusste: am folgenden Tag reiste ich mit dem XPT von NSW TrainLink – einem Diesel-Triebzug von 1981, hier immer noch im Dienst und dafür gut geeignet – auf derselben Strecke weiter nach Goulburn und weiter nach Melbourne. Diese Reise endete mit ziemlicher Verspätung in Melbourne. Grund dafür waren Geschwindigkeitsreduktionen wegen der grossen Hitze. Am einem Bahnhof sah ich Anschläge, die auf temperaturabhängige Fahrpläne aufmerksam machten. In Victoria werden die Geschwindigkeiten bei Temperaturen über 36°C z.T. drastisch reduziert. Nichts desto trotz ist die Bahnreise Sydney—Melbourne als Tagesreise zu empfehlen. Sie vermittelt einen guten Querschnitt durch das südöstliche Australien, von grüner zu trockener Landschaft und enthält auch einige bahntechnisch interessante Besonderheiten.

XPT 2000 für den Country Link Sydney–Melbourne, Sydney Central.

XPT Country Link Sydney–Melbourne: auch in der 1. Klasse Sitzteilung 2+2.

XPT Country Link Sydney–Melbourne: Behälter für gebrauchte Spritzen im WC.

Die Spirale bei Bethungra zwischen Cootamundra und Harden NSW von links nach rechts: Die ursprüngliche Doppelspur überwand die Steigung von Westen (links) nach Osten ohne Spirale. Die Spirale verlängert nun diese Strecke und verringert so sie Steigung. Züge nach Osten fahren durch die Spirale. Unser Zug von Osten nach Westen fährt durch die gestreckte Linienführung. (Quelle: Openrailway Map)

Die normalspurige Strecke führt in einem weiten Bogen nach Melbourne hinein: schöner Blick auf die Skyline

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